Verlust einer Freundschaft Heavy Rain

Verlust. Sonntag, es regnet in Strömen, ein friedliches Geräusch, doch trotzdem wird meine Stimmung an solchen Tagen immer düster. Merkst du wie es Abends schon früher dunkel wird? Merkst du wie es draußen schon leicht nach Herbst riecht? Das Wetter wird launischer und langsam wird mir klar, dass der Sommer zu Ende geht. Rückwirkend muss ich sagen: Dieser Sommer war was Unternehmungen angeht, so gut wie komplett für die Katz. Klar, wir haben uns Corona nicht ausgesucht und was können wir schon groß dagegen machen? Nichts!

Vor allem haben wir in dieser Zeit, die auch jetzt noch alle im Alltag begleitet gemerkt, das wir nicht unantastbar sind. Ein kleines Ereignis irgendwo in der Ferne kann die ganze Welt ins Chaos stürzen und wir können nichts daran ändern. Ich versuche es positiv zu sehen, wir haben alle mehr Zeit mit der Freundin, dem Freund und der Familie verbracht. Für viele bestimmt eine gute Erfahrung, für viele sicher auch ein Zeichen das die Liebe nicht mehr so wirklich da ist. Erst wenn wir mal eine Weile aufeinander hocken merken wir ob’s wirklich passt, oder?

Beruhig dich

Mein Blick wird unscharf, ich starre auf die Terrasse und beobachte wie die Tropfen niedergehen. Kennt ihr das, wenn ihr einfach in die leere schaut, den Fokus langsam verliert. Ihr nehmt alles verschwommen wahr und dieses entspannte Gefühl tritt ein. Ich denke mal wieder an dich. Denke an Verlust. Ich frage mich das gleiche, dass ich mich jedes Mal frage, wenn ich an dich denke.

Warum?

Es geht hier nicht um eine Liebesbeziehung, es geht um Freundschaft. Die Freundschaft die meiner Meinung nach eigentlich von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist, die zwischen Mann und Frau. Es geht darum das man je nachdem wie umgänglich man ist ab und zu im Leben Leute kennenlernt die einen einfach verstehen, bzw. einen einfach so akzeptieren wie man ist, auch wenn man keine leichte Persönlichkeit ist. Damit meine ich nicht die Leute die man nach Ewigkeiten trifft und die dann das übliche dumme Geschwätz bringen: „Wir müssen unbedingt mal wieder was machen“ und dann hört man von den Idioten trotzdem nie wieder was. Doch das ist kein wirklicher Verlust.

Ich meine Leute die einen sogar im Ausland abholen würden, wenn man in Not ist oder Leute die einen mal zwei Wochen bei sich zu Hause aufnehmen würden, wenn man nirgendwo mehr hin kann. Richtige ehrliche Freunde eben. Es ist 12:31 Uhr, ich kippe die halbvolle Bull Dose in ein Glas mit Jägermeister, respektable Mischung. Der Tabak knistert beim Anzünden, mein Kopf dröhnt vom Vorabend, obwohl ich gar nicht so krass viel getrunken habe. In diesem Zustand gibt es nur zwei Medikamente die Linderung schaffen, mehr Alkohol oder Aspirin. Ich entscheide mich Gesundheitsbewusst wie ich bin für ersteres.

Licht aus

An solchen Tagen mache ich meistens nicht Mal die Rollläden hoch, ich verbringe den Tag zu Hause und vergrabe mich hinter dem Bildschirm. Ich sage leicht peinlich berührt: „Alexa, licht an!“ und der Raum hüllt sich in rotes und blaues Licht. Künstliches Licht ist sowieso schöner als echtes. Ich mochte die Dunkelheit schon immer lieber als das Tageslicht, im Dunkeln fühlt man sich nicht so beobachtet und alles wirkt viel langsamer und friedlicher, entschleunigt.

Vor allem die Sommernächte liebe ich, mit offenen Fenstern langsam durch die Straßen fahren. Leise Musik und die warme Luft, einfach traumhaft. Ist es nicht traurig, dass wir in Deutschland je nach Lage die Hälfte des Jahres gegen die Kälte kämpfen müssen? Klar gibt es im Winter auch schöne Momente, z.B. einen Apfelstrudel in den Ofen knallen und sich diesen dann in Verbindung mit warmer Vanillesauce und einem Tee zu gönnen, am besten noch vor dem Kamin falls vorhanden. Oder die Tage, an denen man aufwacht und die schneebedeckte Landschaft sieht, so beruhigend, einfach herrlich.

Aber das ist hier im Süden Deutschlands leider sehr selten geworden, wir hatten in den letzten Jahren nicht Mal mehr weiße Weihnachten, scheiß Klimawandel! Die heftigsten Momente im Winter sind die Nächte, in denen alles mit Schnee bedeckt ist, dann ist es draußen so friedlich. Der Schnee dämpft die Geräusche und man fühlt sich irgendwie wohl, obwohl einem fast die Hoden abfrieren. „Es gibt kein schlechtes Wetter nur schlechte Kleidung“ denkst du dir gerade? Ja? Halt bitte einfach dein Maul! 🙂

Entspannung

Die Flocken ziehen an den leuchtenden Straßenlaternen vorbei und es knistert bei jedem Schritt. Normaler weiße würde ich sagen ich hasse den Winter aber so schlimm ist er eigentlich gar nicht, wenn ich’s mir recht überlege. Tee mit ganz viel Honig und so dicke Socken, die unten Gumminoppen haben, damit man nicht rutscht? Schmeckt! Ich finde, wenn draußen mieses Wetter ist, schätzt man viel mehr das man ein Dach über dem Kopf hat, ich meine ich sitze hier gerade oben ohne und hämmere auf der Tastatur rum und es friert mich nicht im geringsten, obwohl es draußen vielleicht 10 Grad hat.

Das ist ein Luxus den viele andere sicher nicht haben. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir es schon verdammt gut haben, ich hoffe für euch, dass ihr das auch behaupten könnt. Gestern war ich in der Stadt und wollte mir ein Parfüm für fast 300 € kaufen. Ihr denkt jetzt vielleicht das es bei diesem Preis eine Flasche mit einem Liter Inhalt war, aber es waren fuckin 100 ML für 285 €. Manchmal verfällt man einfach in den Gönner Modus und muss sich irgendetwas nutzloses Teures kaufen oder bestellen, in dem mood war ich gestern.

Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig

Ich hatte das Geld gerade von der Bank geholt und lief zum Geschäft als ich einen Typ mit einer riesigen Plastiktüte herumlaufen sah. Er sah irgendwie schmuddelig aus, er trug eine zerrissene Jeans (ich denke nicht aus modischen Gründen) und eine uralte bunte Jacke, wie so eine Skijacke aus den 80ern. Er hat nicht eklig gerochen oder so, er sah eben einfach fertig aus, irgendwie durch mit dem Leben.

Ich rauchte gerade meine Kippe zu Ende und beobachtete was er mit der Tüte macht. Er griff ohne Scham in die Mülleimer in der Stadt um die Pfandflaschen herauszufischen, in diesem Moment fühlte ich mich wie ein Stück Dreck, wie Abschaum. Was er wohl mit 300 € machen würde? Schnaps und Kippen kaufen? Kann schon sein, aber trotzdem hat mich das irgendwie gefickt.

Ich drehte um und kaufte das Parfüm doch nicht. Ich war mental nicht mehr dazu in der Lage, hatte ein schlechtes Gewissen. Gestern redete ich mir ein das ich es doch lieber online bestelle da es dort sicher günstiger ist. Doch jetzt wird mir langsam klar das dies nicht der Grund war, warum ich die Flasche im Laden stehen ließ. Es war der Mann, der Umstand das andere für 25 Cent in Mülltonnen greifen (müssen). Es fühlte sich in dem Moment einfach falsch an so viel Geld für so einen unnötigen Dreck auszugeben.

Freundschaft, Verlust

Aber zurück zum Ursprung. Ich schweife immer so schnell vom Thema ab, das war wohl auch immer der Grund für meine Deutschlehrerin mir in Aufsätzen bestenfalls einen 4er zu drücken. Grüße gehen an dieser Stelle raus! Frau ******* dieser Mittelfinger ist für Sie! ?

Es gibt Freundschaften, die mit der Zeit bröckeln, man meldet sich nicht mehr und der andere meldet sich auch nicht. Man verliert einfach den Kontakt. Wenn man sich zufällig trifft, hat man sich kaum noch was zu sagen, es muss nicht Mal Streit gegeben haben. Man hat sich vielleicht irgendwann unbewusst verloren. Sowas habe ich schon einige male hinter mir, damit kann ich umgehen, was soll man schon tun? Auf Krampf versuchen wieder miteinander auszukommen? Das ist den meisten viel zu viel Arbeit, lieber mit anderen Leuten neu anfangen und gut ist. So läufts wohl heutzutage einfach.

Ich bin normaler weiße auch ein Typ der schnell mit Leuten abschließt, wenn ich bemerke das es z.B. miese Egoisten sind. Am besten man streitet sich noch ordentlich und dann ist das Thema erledigt. Dann weiß man wenigstens woran man ist und kann einen Haken dahinter setzen. Doch wie geht man damit um, wenn jemand der dir in relativ kurzer Zeit abnormal wichtig geworden ist? Jemand der dich durch eine extrem schwere Zeit begleitet hat, dich von einem auf den anderen Tag ignoriert und wie Scheiße behandelt?

Quälende Unwissenheit

Ich frage mich immer noch so oft was du machst, ich frage mich, warum es nötig war den Kontakt einfach so abzubrechen, ich frage mich, warum du mich jetzt so hasst. Was hat sich zwischen uns geändert und wann hast du angefangen mich zu verachten? Habe ich mich verändert? In meiner schwersten Zeit warst du für mich da, du hast mir immer geholfen, mich unterstützt und mich angetrieben endlich das zu tun, wofür ich vielleicht wirklich das Zeug habe. Alleine für den Beistand in dieser harten Zeit schulde ich dir wohl so einiges. So viel das es dein jetziges benehmen mit einem einzigen Satz aus deinem Mund für mich wahrscheinlich ungeschehen machen würde. Aber dieser Satz wird wohl nie ausgesprochen werden.

Vielleicht hast du einfach für dich beschlossen, dass ich keinen Anschluss mehr finden werde, das ich nie etwas an meiner Misere ändern werde und für den Rest meiner Tage da sitzen und in die leere starren werde. Du wolltest dich wahrscheinlich nicht mehr mit mir belasten, aufhalten. Ich kann es dir, wenn ich ehrlich bin Nichtmal verübeln. Und es wäre jetzt leicht dich auch zu hassen, ich habe es wirklich versucht. Ich habe mir eingeredet du bist ein scheiß kleines Kind und du hast einfach keine Ahnung vom Leben. Darum bist du so wütend auf alles, auf diese Welt, auf andere Menschen doch am meisten auf dich selbst.

Überwindung den Verlust abzuwenden

Am liebsten würde ich einfach zu dir fahren. Dich in den Arm nehmen und dir sagen was du sowieso schon weißt: Du fehlst mir. Deine Art zu sprechen, deine Sichtweisen, einfach alles an dir fehlt mir. Ich vermisse dich und ich würde liebend gerne wieder mit dir reden, mit dir schreiben und dich wieder als Teil meines Lebens zurück haben. Du hast dich auch entwickelt, hast auch Entscheidungen getroffen, die ich nicht für gutheißen kann. Doch ich habe immer versucht dich trotzdem bei allem zu unterstützen. Du bist sowieso viel stärker als ich und alt genug.

Jetzt sitz ich hier, weil ich mich nicht mehr traue auf dich zuzugehen, zu viel Zeit ist vergangen. Die Situation ist zur Normalität geworden. Doch egal wie sehr ich versuche dir dein abgefucktes benehmen übel zu nehmen und mir einzureden, das ich dich sowieso nicht brauche, ich erinnere mich immer nur an die schöne Zeit mit dir. Als wir an kalten Tagen im Kaffee saßen und über die aus unserer Sicht wichtigen Dinge im Leben geredet haben. Immer, wenn ich jetzt an dem Café vorbeigehe, schaue ich durch die große Glasfront und sehe uns da sitzen.

Wie du gelacht hast und wie glücklich du in diesem Moment warst, ich kann dich nicht verachten. Ich weiß du bist viel mehr als ein bockiges Mädchen, ich weiß in dir steckt eine gütige Seele. In dir steckt so viel mehr als das, was man auf den ersten Blick sieht. Du tust dir nur sehr schwer, dass den anderen zu zeigen aber ich weiß es. Man muss manche Dinge wohl einfach so hinnehmen wie sie mit der Zeit kommen.

Das Leben geht weiter

Ich bin mir sicher, du wirst deinen Weg gehen und irgendwann wirst du das alles verstehen. Du wirst verstehen, dass diese ganze verdammte Streiterei unnötig war. Dass ich niemals etwas Schlechtes für dich oder die, die dir nahestehen wollte. Im Gegenteil. Ich hoffe du weißt, ich wünsche dir nur das Beste. Ich wünsche dir ein erfülltes Leben, auch wenn ich kein Teil mehr davon bin und nie wieder einer sein werde.

Am Ende, wenn wir unsere Augen für immer schließen gehen wir nochmal die guten Ereignisse in unserem Leben durch. Die Bilder, die Momente mit den Menschen die uns am wichtigsten waren. Falls das wirklich so ist, wirst du dann ein Teil meiner Gedanken sein. Falls das wirklich so ist, werde ich mich dann an dich erinnern, an die guten Zeiten mit dir. Die Momente kann einem keiner mehr nehmen und ich hoffe, du denkst bei all dem Hass manchmal an das Gute in mir. An das gute, dass wir zusammen erlebt haben und den Verlust. Für mich warst du eine der wenigen Personen denen ich ohne Misstrauen Zugang zu meinem Herz und meiner Seele gewährt habe und ich würde es wieder so machen.

Mit dem Verlust Abschließen

Dieser Text ist der letzte Gedanke, den ich der Vergangenheit mit dir widme. Ich muss mich endlich erholen und dieses Thema ablegen. Natürlich rede ich mir das jetzt nur ein, die Gespräche mit dir fehlen einfach und das was passiert ist hinterlässt eine klaffende Wunde in meiner Seele aber in letzter Zeit denke ich immer seltener an dich und der Schmerz über den Verlust unserer Freundschaft lässt langsam nach. Natürlich wäre es heftig, deine Unterstützung bei diesem Blog Ding zu haben. Das würde mich wahrscheinlich richtig beflügeln und ich würde jeden Tag einen neuen Beitrag posten. Aber ich hab’s auch ohne dich geschafft und gelernt das man am Ende dann wahrscheinlich doch wieder alleine ist. Ich hab’s dir ja immer gesagt: „life’s a bitch“.

Doch bin ich mir sicher, wenn ich dich nicht getroffen hätte, wenn du mich nicht so aufgebaut hättest, würde es das hier nicht geben. Dann würde es mich vielleicht nicht mehr geben. Du hast mir gezeigt das ich etwas wert bin und das es immer wieder Leute gibt, die hinter einem stehen. Auch, wenn man manchmal ein gemeiner Hund ist. Du hast mir gezeigt das immer wieder Leute kommen, die mich für das was ich bin schätzen.

Danke

Du willst wissen was ich mir unter dem Begriff Freundschaft vorstelle? Schau hier:

https://www.chainedsociety.de/2020/07/31/life-is-strange-freundschaft/

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