Life is strange – Freundschaft

Heute ist einer von den Tagen, an denen ich über alles Mögliche nachdenke und alles infrage stelle. Und die wichtigste Frage heute: „warum, kann man nicht einfach ohne Streit und ohne Probleme leben“ ? Andauernd hat irgendjemand ein anderes Problem. Einmal ist man zu wenig verfügbar, ein andermal wohl zu viel, weil es Streit ohne Grund gibt. Eine gute Freundschaft ist nicht so leicht zu pflegen wie man denkt.

Life ist strange. Warum ist Freundschaft manchmal so kompliziert?

Die ersten Freundschaften

„Wenn wir den Führerschein haben, dann fahren wir rum, nach Italien, wir schauen alles an und das wird sooooooo geil“. Das sagte mir mal einer meiner „besten“ Freunde als wir ca. 16 Jahre alt waren. Ihr ahnt es: „Wir fuhren nie um die Welt, im Gegenteil. Heute weiß ich nicht mal mehr, ob der Junge noch lebt oder was auch immer er gerade so tut. Dass wir uns damals ewige Freundschaft und Blutsbrüderschaft schworen, nehme ich heute als jugendlichen Leichtsinn, den ich vor Jahren als „schöne Erinnerung“ archiviert habe hin.

Gut, das war eine andere Zeit. Man hatte dann die erste Freundin, ja wirklich. Mit 16 Jahren, damals hatte man mit 12 noch nicht gefickt, krass oder? Und das wollte man genau wie heute auch alles nebeneinander managen. Ich glaube das hätte damals sowie heute gut klappen können, das Problem war nicht die fehlende Zeit für die Freunde, sondern einfach das manche Menschen es gar nicht gernhaben jemanden mit einem dritten zu teilen. Auch, wenn es sichtlich eine Bereicherung für das Leben des liebenden ist und ihn zufriedener macht.

Echte Freundschaft ist selten

Die echte Freundschaft zu finden ist schwer bis unmöglich, wenn man mal aus der Schulzeit raus ist.

Nicht das ich euch das wünsche. Ich hoffe, ihr findet immer wieder Hammer Menschen. Sei es privat oder bei der Arbeit, (bei der Arbeit ist es sogar noch wichtiger da ihr da die meiste Zeit aktiv verbringt). Die euch unterstützen und euer Bestes, (ich meine nicht euer Geld), wollen. Menschen, die euch fördern und immer hinter euch stehen. Aber was ist wahre Freundschaft? Das muss jeder für sich selbst rausfinden und definieren. Ich kann nur für mich selbst sprechen und ich muss in meinem Fall, leider auf den Satz oben verweisen. Die einzige Bindung die nie vergeht, ist Familie und selbst diese ist nicht immer unantastbar.

Für mich ist Freundschaft, den anderen zu aller erst so zu akzeptieren wie er ist. Denn entweder fühle ich die allgemeine Einstellung eines Menschen und kann mich damit identifizieren oder nicht. Falls nicht, kann es natürlich ein Kumpel bleiben. Für mich wären solche zweckmäßigen zwischenmenschlichen Beziehungen allerdings überhaupt nicht von Interesse. Da ich kein Heuchler Arschloch bin, das sich mit jedem gut stellen will. Ich bin einfach kein guter Lügner, darum kam es für mich nie infrage irgendwie rumzufaken oder Leute die ich nicht leiden kann mit dem Gegenteil zu täuschen. Ich mag manchmal ein gemeiner Wichser sein, doch man weiß bei mir immer woran man ist.

Menschliche Entwicklung Pflicht?

Menschen entwickeln sich, oder auch nicht. Beides sollte man als guter Freund akzeptieren. Denn du bist nicht Gott oder ein Persönlichkeitscoach. Du bist wie alle von uns nur ein kleiner scheiß Fleck auf einem riesigen Planeten. Man muss nicht alle 3 Monate anders denken um eine „Entwicklung“ vorzuweisen. Das Geschwätz kann man vielleicht als Chef seinen Mitarbeitern bei der Jahresbewertung auftischen da es, wenn überhaupt einen wirtschaftlichen Aspekt in einem Arbeitsverhältnis darstellen kann. In einer freundschaftlichen Beziehung hat das meiner Meinung nach nichts verloren. Und wer trotzdem eine Entwicklung von seinen Freunden erwartet, sollte sich vielleicht mal Gedanken machen, ob er einfach komplett lost ist und zu viel Langeweile aufgrund eigener Probleme hat.

Geben und nehmen

Der letzte Punkt in meiner persönlichen Auflistung ist das geben und nehmen. Ja ich weiß ihr gebt alle immer nur aber nehmt nie. So zu denken ist wohl einfach Teil des menschlichen Daseins. Jeder denkt er wäre korrekt, jeder denkt er ist immer für alle ihm wichtigen Menschen da. Jeder denkt seine Ansicht ist richtig und wenn ein anderer sie nicht teilt, dann soll er sich doch einfach verpissen.

Egal wie lange man befreundet ist. Denn was gibt es schlimmeres, als eine andere Meinung die man selbst gar nicht nachvollziehen kann zuzulassen? Ihr müsst etwas das ihr nicht bestätigen wollt auch nicht bestätigen, aber akzeptiert es doch, für die Freundschaft. Wenn es immer ums Prinzip geht und am Ende alles nichts ist, weil keiner nachgeben will. Dann braucht ihr auch keine Freunde, dann zieht auf eine einsame Insel und schwimmt mit Schweinen im Meer. Das (würde ich direkt machen, wenn ich die Sofortrente gewinnen würde) =).

Meine Regeln

Wir fassen zusammen:

1. Die Person als Mensch akzeptieren.

2. Keine Wunder erwarten.

3. Nicht nur nehmen auch mal was zurückgeben, die Freundschaft pflegen.

Damit meine ich nicht Geld oder andere materielle Dinge, einfach mal eine nette Geste oder ein paar nette Wörter. Z.b.: Ich bin froh dich zu haben, im Ernst, ich bin froh, dass ich dich als Freund habe. Bruder ich liebe dich! #nohomo.

Ihr denkt jetzt: „ja mache ich doch“. Aber seid ehrlich, wann habt ihr einem wichtigen Menschen der nicht eure Freundin oder euer Freund ist das wirklich direkt ins Gesicht gesagt? Ich sag’s selbst viel zu selten also nehmen wir es uns jetzt zusammen vor und führen es direkt bei der nächsten Gelegenheit aus. Versprochen.

Wie viel wollen wir geben?

Am Ende des Tages kommt es wahrscheinlich einfach darauf an, wie viel ihr bereit seid zu geben. Wie viel ihr in Beziehungen zu anderen Menschen investieren möchtet, ohne die Aussicht dafür jemals etwas zurückzubekommen. Die Hoffnung, dass uns für unsere Taten, gutes widerfährt, treibt jeden von uns an. In allem, was wir tun. Aber eine der schlimmsten Ängste, die uns umtreibt, ist doch, dass sich die Hoffnung gutes zu ernten in Luft auflöst, oder?

Freundschaften pflegen und schließen ist für mich immer mit Hingabe und Vertrauensvorschuss verbunden, so funktioniert der Chemiekasten in unserem Kopf. Wenn wir uns nicht genug mit dem anderen beschäftigen und uns seine Story nicht wirklich interessiert, ist dass dann wirklich jemand mit dem ich öfters etwas machen will?

Nachts im Club

Die besten Storys habe ich von den besoffensten Idioten, mitten in der Nacht in den verrauchtesten Spielunken erzählt bekommen. Von Asis mit denen ich am Tage niemals ein Wort gewechselt hätte.

Ich glaube das wichtigste ist das wir niemals die schlechten Erfahrungen, die wir machen, über alles stellen. Ich verachte jeden mir unbekannten Menschen gleich, egal wo er herkommt oder wie er aussieht. Wenn ich dann merke: „Fuck der ist ja doch voll in Ordnung“ erwische ich mich immer wieder und denke mir: „Junge hab doch nicht so dreckige Vorurteile“. Das macht mich wohl einfach aus. Jeder von uns wurde mal verarscht, ausgenutzt, angespuckt. Das heißt nicht das ihr schlecht seid. Es heißt nicht das ihr Idioten seid, weil ihr zu sehr vertraut habt, im Gegenteil! Das heißt, dass ihr in diesem Moment vielleicht einfach zu gut für diese kranke abgefuckte Welt oder einfach zur falschen Zeit am falschen Ort wart.

Man findet wahrscheinlich nie die perfekten Freunde aber brauchen wir die? Gibt es die? Sind wir selber so verdammt perfekt, dass wir einen Anspruch auf ebenfalls perfekte Freunde haben? Oder wollen wir Menschen mit Ecken und Kanten? Menschen, die vielleicht auch mal komplett am Boden sind aber sich dann mit unserer Hilfe wieder erheben und besser werden? Ihr denkt jemand lässt sich gehen? Vielleicht merkt derjenige einfach, das sein bisheriges Leben eine miese Lüge war. Vielleicht merkt er, dass er in Zukunft genau das Gegenteil tun möchte.

Wir als Menschenverbesserer?

Ich finde, es liegt nicht in unserer Verantwortung über eure Freunde zu urteilen oder ihre Weltanschauung zu verändern und zu verbessern. Ihr sollt lediglich die, die euch wichtig sind unterstützen und ihnen Rückhalt geben. Haltet euch nicht für besonders, für besonderer als andere. Ein ehemaliger Arbeitskollege (er war ein richtiger Dulli aber irgendwie auch in Ordnung, Vorurteile man kennt ihn) sagte mal: „Wir gehen alle gleich aufs Klo“. Den Satz hab ich bis ins Mark gefühlt, eine der Weisheiten die ich sicher nie vergessen werde. Das heißt wohl: Irgendwann landen wir alle in einem staubigen dunklen Loch. Ob wir da als Arschloch oder als jemand an den man sich lächelnd erinnert landen, hängt von uns ab. Natürlich merken wir es dann nicht mehr. Aber: Wenn wir bei der Drive-in Bestellung einen Cheeseburger zu viel in der Tüte haben reklamieren wir das ja auch nicht, oder?

Man findet immer neue Menschen, es ist nur eine Frage der Zeit

Es kommen immer wieder Menschen in unser Leben, die uns verstehen und uns so nehmen wie wir sind. Egal wie kompliziert ihr seid. Ihr seid wertvoll und es gibt Leute, die euch für das schätzen, was ihr darstellt. Die liebevoll über eure vernarbte Seele streicheln und lächeln, versprochen!

Kuss, CS.

2. Artikel zu diesem Thema:

https://www.chainedsociety.de/2020/08/30/heavy-rain/

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2 Kommentare

  • Sven K.

    Gut geschrieben, wahre Worte. Weiter so Diggi <3

    • Andi

      Danke, XOXO

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